NSA, PRISM, TEMPORA, BND… – Geheimdienst-Experte Erich Schmidt-Eenboom bei SWR1

Bei uns hier in der Region gibt es den Südwestrundfunk (SWR) mit seinem Radiosender SWR 1 für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Beide haben die Sendung SWR 1 Leute im Programm. Der Baden-Württembergische Ableger täglich und die Rheinland-Pfälzer sonntäglich, dafür meist prominenter besetzt (kommenden Sonntag mit René Marik!). Bei diesen Sendungen handelt es sich um zweistündige Interviewsendungen, welche auch nach der Live-Sendung als Podcast verfügbar sind. Die zweistündige Sendung wird in den Podcasts auf ca. 30 Minuten eingedampft, welche für mich ideale Begleiter auf dem iPod auf dem Weg zu Arbeit sind. Vorweg möchte ich empfehlen sich mal die 30 Minuten zu gönnen und den folgenden Podcast komplett durch zu hören.

Und damit bin ich beim Thema. Auf meinem heutigen Weg hörte ich mir dem Podcast vom 08. August 2013 an (ich hatte Urlaub und nun einiges zum aufholen 🙂 ). In diesem Podcast stand Erich Schmidt-Eenboom Moderator Stefan Siller Rede und Antwort. Erich Schmidt-Eenboom ist Publizist, Autor („BND: Der deutsche Geheimdienst im Nahen Osten. Geheime Hintergründe und Fakten„) und Geheimdienstexperte und Thema ist natürlich Snowden, Tempora, PRISM, GCHQ, BND, etc.

Erich Schmit-Eenboom wurde in Folge seines Buches „Schnüffler ohne Nase: Der BND – Die unheimliche Macht im Staate“ 1993 selbst über zwei Jahre vom Bundesnachrichtendienst bespitzelt (Minute 23:20). Der BND setzte angeblich ein spezielles Observationskommando ein, welches eingesetzt wird um verdächtige Geheimdienstler zu überwachen, um Ihn, sein Altpapier und alle die mit Ihm Kontakt hatten zu überwachen.

Hier mal nur einige Punkte, die mich dann doch überrascht haben:

– Ab Minute 16:00 wird eine Hörerfrage vorgelesen, in der es um Verschlüsselugssoftware geht. Überraschenderweise ist die Empfehlung, auf solche Software quasi zu verzicheten, da „alle erstklassigen Nachrichtendienste“ die Codes sowieso knacken bzw. die Hersteller sowieso gezwungen haben Hintertürchen einzubauen. Oder man kauft sich die Technologien ein und/oder behindert die Hersteller, dass die Technologien auf den Markt kommen.

– Wer seine Kommunikation (z.B. Mails) verschlüsselt macht sich per se verdächtig. Diese Kommunikation wird automatisch von der NSA rausgefilter, geknackt und ausgewertet.

– Die Kooperation mit dem chinesischen Militärgeihmeindienst und die nahezu fehlende Empörung über dieses Vorgehen, wobei doch eigentlich klar ist, das die chinesischen Nachrichtendienste die Hauptangreifer auf die deutsche Industrie sind.

– Richtig krass und überraschend finde ich die angesprochene Staatengewohnheitspraxis. Das bedeutet, dass ausländische Geiheimdienste mich quasi abhören, bespizeln und überwachen dürfen. Straffrei. Einfach so (Minute 04:54). Vielleicht nur weil ich ne verschlüsselte Mail geschrieben oder diesen Artikel geschrieben habe. Umgekehrt darf (!!) der BND jeden Bürger dieser Welt abhören und überwachen, solange er nicht Deutscher ist.

Nicht überrascht hat mich im übrigen der Punkt, dass die deutschen Politiker, allen voran die aktuelle Bundesregierung jetzt so tut als ob sie von all dem, was im Zuge der Veröffentlichungen durch Edward Snowden ans Licht der Öffentlichkeit kam, nichts wisse. Klar wird mir nun allerdings, warum sich ausgerechent die aktuelle Opposition so still verhält und nicht lauthals Rücktritte und Konsequenzen fordert…

Keiner der bisherigen Podcasts hat mich bis Dato so Interessiert (und aufgeregt?) wie dieser. Auch habe ich bisher noch keinen zweimal gehört und ich empfehle nochmal sich die Zeit mal zu nehmen, den Poscast durch zu hören und wer möchte, kann sich hier die ganze Sendung auch als Viedeo ansehen.

Hat sich eure Einstellung zum Thema Internet, Soziale Netzwerke, Clouddienste, Datensicherheit, Email und/oder Kommunikation im Allgemeinen seit den Enthüllungen Snowdens geändert? Werden in euch auch die Rufe lauter z.B. Facebook zu verlassen? Eventuell einige Accounts sozialer Netzwerke zu löschen? Ärgert es euch auch, dass es anscheinend nicht möglich ist einen Account z.B. bei Evernote oder Pinterest, zu löschen? (Also zumindest wenn ich justdelete.me Glauben schenke.)

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2 Kommentare

  1. Hab das Interview auch gehört. Alles irgendwie ziemlich zum ko***n. Am meisten ärgert mich, dass uns unsere Politiker nicht die Wahrheit sagen und versuchen, die Sache auszusitzen. Auch habe ich das Gefühl, dass die Abhörerei so weitergehen wird wie bisher. Kann mir nur schwer vorstellen, wie Deutschland anderen Staaten wirkungsvoll verbieten will, dass wir von denen abgehört werden.
    Die Konsequenz für mich ist, mehr selbst für den Schutz meiner Daten zu tun. Ich habe mir vor einigen Wochen einen Synology NAS-Server gekauft und so gut wie alle Daten von Dropbox, Google Drive & Co. auf meinen privaten Server umgezogen. Ein erster Schritt. Wie es mit E-Mail, sozialen Netzwerken und sonstigen Tools weiter geht, weiß ich noch nicht. An Gmail und Wunderlist hänge ich schon sehr, auf Facebook könnte ich ggf. verzichten. Zumindest habe ich meine Aktivitäten in den Netzwerken schon stark eingeschränkt.

    • Ja, dieses so tun als ob das alles total neu wäre und diese gespielte Ahnungslosigkeit ist echt schlimm. Ich denke auch, dass sich nichts gundlegend verändern wird, oder verändern kann, aber Aufklärung und ein offenerer und aufrichtigerer Umgang von deren Seite wäre wünschenswert.
      Über diese Geschichte mit der „eigenen Cloud“ denke ich auch schon länger nach. Weil ich habe meine Daten usw. auch lieber bei mir daheim als auf den Servern von Dropbox, Google, Apple, etc. Allerdings ist es halt unheimlich praktisch und einfach (wenn man die gleichen Daten auf mehreren Endgeräten haben möchte/muss) solch einen bestehenden und gut funktionierenden Dienst zu benutzen, der auch noch kostenlos ist. Man muss keine neue Hardware kaufen, diese ggf. warten, sich um die Verfügbarkeit kümmen etc. Das soll bzw. darf natürlich vor dem ganzen Hintergrund aber keine Entschuldigung sein. Ich selbst benutze z.B. die Dropbox eigentlich auch nur noch zum „Datentransfer von unterwegs nach Hause“.
      Was die sozialen Netzwerke und Email angeht bin ich auch deiner Meinung. Gmail ist für leider der einzige Emaildienst, mit dem ich seit jahren sehr zufrieden bin. Facebook und Twitter werden bei mir hauptsächlich automatisch von meiner Seite hier über IFTTT bestückt und wären für mich eigentlich auch „entbehrlich“. vor allem Facebook.
      Ein nicht ganz einfaches Thema, zumindest nicht, wenn man nicht auf all die liebgewonnenen Gewohnheiten und Netzwerke verzichetn will.

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